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Infos für die Athleten und die Suche nach »gelben Wadln«

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Biathlon-Weltcup: Wettkampfbüro gibt Infos für Athleten und die Suche nach »gelben Wadln« | Ruhpolding
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Sie hoffen auf einen gelungenen Biathlon-Weltcup und sind Ansprechpartner für Teams und Organisationskomitee (hintere Reihe von links): Tamara Lankes, Norbert Baier, Katharina Dieser und Maria Wünn sowie (vorne) Claudia Hummel. (Foto: Hohler)

Sie sind Ansprechpartner für Athleten und Trainer, für die Verantwortlichen des Weltverbandes IBU und teilweise auch für die Fans: die Angehörigen des Wettkampfbüros beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding.


Claudia Hummel ist hier offiziell »Leiterin des Wettkampfbüros«, während sie bei zahlreichen anderen Veranstaltungen in der Chiemgau-Arena wie beispielsweise Deutschlandpokalen, Bayerncups, Deutschen Schülercups offiziell als »Wettkampf-Sekretärin« fungiert. Dies darf sie beim Biathlon-Weltcup nicht. Der Grund: Dieses Amt kann nur übernehmen, wer als internationaler Biathlon-Kampfrichter bei der IBU ausgebildet wurde.

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Daher übernahm nach der WM 2012, als er noch als Wettkampfleiter fungiert hatte, Norbert Baier diesen freiwerdenden Posten. »Das ist ein Geschenk für uns«, freut sich Hummel über die Mitwirkung des mittlerweile 71-Jährigen. Der ehemalige Herren-Bundestrainer gibt allerdings diesmal sein letztes Gastspiel als offizieller Verantwortlicher in Ruhpolding.

Daher ist es für das Weltcup-Organisationskomitee von Ruhpolding auch ein Geschenk, dass Baiers Nachfolge bereits geregelt ist: Seinen Posten übernimmt dann Maria Wünn, die mittlerweile die Ausbildung zur internationalen Kampfrichterin absolviert hat. Auch die ehemalige Biathletin Wünn gehört schon seit mehreren Jahren zum gut eingespielten Team in Ruhpolding.

Diesem gehört auch die ehemalige Aktive Tamara Lankes an, die – ebenso wie Hummel – auch eine Ausbildung als nationale Biathlon-Kampfrichterin hat. Hinzu kommt Katharina Dieser, die bei den Olympischen Spielen in Sotschi als Volunteer arbeitete und in Deutschland studierte. »Ihre Sprachkenntnisse sind vor allem bei den Teams aus dem Osten eine große Hilfe«, freut sich Hummel.

Schließlich müssen die Teams ihre Teilnehmer beim Wettkampfbüro melden und wollen von dort natürlich auch entsprechend Informationen bekommen. Zudem unterstützt das Wettkampfbüro unter anderem IBU-Renndirektor Borut Nunar und auch Streckenchef Alois Reiter.

Daher ist das Büro vom Sonntag vor dem Weltcup an bis zum Ende der Veranstaltung täglich offiziell von 8 bis 18 Uhr geöffnet, »wir sind aber meist schon ab sieben Uhr da und gehen meistens gegen 19 Uhr heim«, weiß die 55-Jährige.

Viele Aufgaben für den Weltcup haben auf das ganze Jahr Auswirkungen. So erhält beispielsweise der Veranstalter von der IBU die Preisgelder für die Athleten, und diese müssen dann an die Athleten weitergegeben werden. Was einen erheblichen Aufwand bedeutet, da bei allen Wettkämpfen außer der Staffel (Platz 1 bis 6) für Platz 1 bis 20 Preisgelder anfallen, »muss man diese Daten schon sehr gut verwalten«, weiß Hummel. Manche Athleten geben ihre Daten sogar erst kurz vor dem nächsten Weltcup an.

Nicht nur in dieser Hinsicht ist der Weltcup eine Aufgabe, die im ganzen Jahr Herausforderungen beinhaltet. Hummel – die ja auch in der Verwaltung der Chiemgau-Arena arbeitet – muss neben dem »normalen« Tagesgeschäft zum Beispiel auch Auftragsvergaben für den Weltcup erarbeiten. Zudem müsse bis etwa Oktober die Ausschreibung fertig sein und an die Verbände verschickt werden. Auch andere Drucksachen müssen im Vorfeld erstellt, Rechnungen bearbeitet und den Teams Infos weitergegeben werden. Infos müssen auch eingeholt werden: Denn zunächst müssen die Verbände ihre Teamstärke melden, später gibt es dann auch eine »Deadline« für die namentliche Meldung.

Die Teamstärke ist auch wichtig, denn zum Beispiel »will ja auch die Tourist-Info wissen wie viele Athleten sie im Ort unterbringen muss. Und die Macher der Eröffnungsfeier brauchen die Angabe der Nationen, um die passenden Fahnen und Hymnen parat zu haben.«

Auch kleine Sorgen und Nöte der Athleten und Trainer (»Wo finde ich was«?) versucht man im Wettkampf-Büro schnell zu lösen. Da die Telefonnummer der Chiemgau-Arena – wie auch die der Tourist-Info – in den offiziellen Listen zu finden ist, gibt es auch immer wieder zahlreiche Anfragen von Fans während der Weltcup-Woche. »Gerade im vergangenen Jahr war das natürlich viel. Jeder wollte wissen, ob und wann die Wettkämpfe stattfinden, welche Parkmöglichkeiten es gibt und so weiter«, erinnert sie an das Schneechaos 2019.

Es gab aber auch schon kuriose Anfragen. So wollten etwa Fans sich Autogramme besorgen lassen, und einer war besonders erbost: Als vor Jahren die Langlauf-Anzüge des deutschen Biathlon-Teams verändert worden waren, protestierte dieser. Die vorher so vertrauten »gelben Wadl« der Deutschen waren nämlich weggefallen. »Die Sportler erkennt man gar nicht mehr, die müssen sich sofort umziehen«, forderte der Fan. »Er wollte einfach nicht einsehen, dass weder die Trainer noch wir etwas daran ändern können«, lacht Hummel. Normalerweise könne man die Anfragen gut bearbeiten. »Manche Sachen sind schon hanebüchen, wobei das geht der Tourist-Info wohl genauso.« Und: »Das macht es ja oft auch wieder lustig.«

Denn gute Stimmung herrscht im Team der Ehrenamtlichen, die auch während des Jahres oft ihre freien Wochenenden für viele »kleinere« Wettkämpfe opfern. Hummel hat zwei Töchter und einen Sohn (nämlich Skispringer Andi Wellinger), war selbst schon immer im und für den Sport aktiv und darf unter anderem auch als Kampfrichterin im Skispringen bis einschließlich Deutscher Meisterschaften eingesetzt werden. Sie ist vor allem aus Liebe für den Sport aktiv. Und sie spricht für ihr gesamtes Team, wenn sie betont: »Das hier ist für uns nicht nur ein Job.«

Walter Hohler