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Hohe Freiheitsstrafen für geständige Uhrendiebe

Traunstein – Zwei 33 und 21 Jahre alte Litauer – Teile einer europaweiten Räuberbande, die es auf Juweliere abgesehen hat – verurteilte die Jugendkammer Traunstein am Mittwoch zu hohen Freiheitsstrafen. Der ältere muss acht Jahre ins Gefängnis, der Jüngere sechs Jahre.

  • Uhren im Wert von jeweils mehreren hunderttausend Euro hatten die Täter bei zwei Überfällen in Bad Oeynhausen und Mühldorf erbeutet. Jetzt wurden sie zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Damit blieb die Kammer mit Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann sogar über den Strafanträgen von Staatsanwalt Dr. Martin Freudling – ohne den Aufklärungsbeitrag wären für die zahlreichen Verbrechen Strafen von zwölf Jahren ausgesprochen worden, betonte Dr. Weidmann. Durch die Geständnisse sei die Verfahrensdauer deutlich verkürzt worden. Aber nach einem alten Grundsatz müssten auch die Opfer und deren Interessen Gewicht haben. Das Gericht habe die Gefährlichkeit der Taten und die schweren Folgen für die Opfer berücksichtigt: »Den Angeklagten muss klar sein: Deutschland ist kein Selbstbedienungsladen. Die Integrität der Bürger muss gewahrt werden.«

Acht Menschen mit Reizgas verletzt

Bei den Raubüberfällen am 20. Januar 2015 in Bad Oeynhausen und am 5. März 2015 in Mühldorf waren die Angeklagten jeweils vermummt mit Schals und Mützen, mit geladener Schreckschusswaffe, Reizgas und 2,5 Kilogramm schweren Spaltäxten am helllichten Tag in die Geschäfte eingedrungen. Dort zerschlugen sie die Vitrinen, holten je zwischen 60 und 70 teure Uhren heraus und steckten sie in eine Tasche. Ein weiterer Täter sicherte draußen den Fluchtweg. In Bad Oeynhausen fielen den Männern Uhren im Wert von 235 000 Euro in die Hände. Durch das im Laden versprühte Reizgas wurden acht Menschen verletzt. Beide Überfälle dauerten nur etwa eine Minute.

Die Uhren in Mühldorf hatten einen Verkaufswert von knapp 340 000 Euro. Eine 59-jährige Frau blickte aus etwa einem Meter Entfernung in die auf sie gerichtete Waffe. Die Frau erlitt einen Schock, zu Hause einen Zusammenbruch und lag viele Stunden hilflos am Boden. Neben schmerzenden Augen trug sie eine posttraumatische Belastungsstörung davon, die bis heute anhält. Sie kann nicht mehr so gut arbeiten und schläft schlecht. Ihr sprach die Kammer ein Schmerzensgeld von 3000 Euro zu.

Ein 51-jähriger Passant nahm nach der Flucht der Täter die Verfolgung auf. Erst versuchten die Angeklagten, ihn mit Reizgas zu stoppen, dann schossen sie zweimal auf ihn aus knapp zehn Meter Entfernung. Er brachte sich in Sicherheit. Auch er trug eine posttraumatische Belastungsstörung davon, von der er sich bis dato nicht erholt hat. Auch seine Lebensqualität ist seit dem Überfall stark beeinträchtigt.

Auch in Regensburg ein Verbrechen verabredet

Für jeden Raubzug stahlen die Angeklagten andernorts Autos und Kennzeichen weiterer Fahrzeuge, die sie später einfach irgendwo stehen ließen. Gegenstand der Anklage war auch eine weitere geplante Tat – kurz vor der Festnahme am 10. Juni 2015 in Regensburg bei einer Zufallskontrolle der Polizei. Der Vorsitzende Richter ordnete den Angeklagten auch in diesem Fall eine »Verabredung zu einem Verbrechen« zu. Wie in den anderen Städten, sei ein Juwelier in Regensburg ausgekundschaftet worden. Der Überfall sei nur an der Festnahme des 33- und des 21-Jährigen gescheitert. Von einem straffreien »freiwilligen Rücktritt« könne keine Rede sein, unterstrich Dr. Weidmann.

Am Rande des Prozesses wurde bekannt: Drei Wochen später wurde der besagte Juwelier tatsächlich überfallen und beraubt – wenn auch von anderen Tätern der kriminellen, hierarchisch aufgebauten Organisation. Die geschätzt 100-köpfige Bande besteht aus litauischen und/oder tschetschenischen Drahtziehern, konkreten Auftraggebern, lokalen »Residenten« und – schnell austauschbaren – »Soldaten« wie den Angeklagten, die in ihrem Heimatland gegen Versprechen eines 30-prozentigen Beuteanteils angeheuert wurden. Diese Angaben der Angeklagten bestätigten sich in den Ermittlungen unter Federführung der Kripo Mühldorf.

Bei dem 21-Jährigen gelangte die Jugendkammer zur Anwendung von Jugendstrafrecht ob seiner Reifeverzögerungen. Bei beiden Angeklagten berücksichtigte das Gericht die Geständnisse und die Bereitschaft, sich bei den Opfern zu entschuldigen. Andererseits seien nicht nur die Beuteschäden hoch, sondern auch die Folgen für die Opfer erheblich. Der 21-Jährige sei in Litauen zweifach vorbestraft, der 33-Jährige zehnfach, auch wegen Gewaltdelikten.

Enormes Spannungsfeld bei der Angemessenheit

Von »einem enormen Spannungsfeld«, was tat- und schuldangemessen sei und was man nach »Kronzeugenregelung« an Strafnachlass geben solle, sprach der Vorsitzende Richter. Das Gericht habe aufgrund der Geständnisse diese Art der Strafmilderung angewandt. Vor allem unter diesem Aspekt hatte der Staatsanwalt Strafen von »nur« sieben Jahren für den 33-Jährigen und sechseinhalb Jahre Jugendstrafe für den Jüngeren gefordert. Das hatte Nebenklagevertreter Jörg Zürner aus Mühldorf als zu niedrig kritisiert. Die Verteidiger, Johannes Büttner und Iris Nickl, beide aus Regensburg, hatten die Aufklärungsbeiträge höher eingestuft, nicht mehr als fünf Jahre für den 33-Jährigen und von maximal vier Jahren Jugendstrafe für den 21-Jährigen beantragt. kd

Quelle: Traunsteiner Tagblatt

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