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»Lasst Eure Hunde nicht unbeaufsichtigt frei laufen, egal wo«

Die Angst geht um unter Hundehaltern im Landkreis Traunstein – vermutlich genau das wollten die Täter auch erreichen, die in Chieming und Umgebung Giftköder und in Fridolfing mit Rasierklingen präparierte Würstchen ausgelegt haben. Angesichts der Emotionalität, mit der Hundehalter und -gegner die Debatte führten, wünscht sich Martin Grassler, Leiter der BRK-Rettungshundestaffel, dessen Hund nach einem Giftanschlag fast gestorben wäre, von beiden Seiten mehr Sachlichkeit, wie er gestern gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt betonte.

  • Damit ihre Lieblinge ungetrübt den Schnee genießen können, wie hier unser Fotomodell Bazi, raten Polizei und Tierärzte Hundehaltern dringend dazu, ihre Vierbeiner nicht von der Leine zu lassen.

»Gern würd ich so einen *piep* mal erwischen«, »... bin ich einfach nur fassungslos und stinksauer. Über den Weg sollte mir diese Person nicht laufen.«, »die sind doch selber schuld, wenn sie ihre Köter überall hinsch* ... lassen« – Kommentare wie diese in einschlägigen Internet-Foren zeigen die Emotionalität, mit der die Debatte von beiden Seiten geführt wird.

»Mir wär's einfach nur recht, wenn wir den erwischen würden«, so Grassler auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts. Die hetzerischen Kommentare, die bis hin zu Aufrufen zur Lynchjustiz gingen, seien doch keine Art, zu diskutieren, meinte er. Sein Rettungshund Filou hatte Ende Januar bei Chieming einen Giftköder gefressen. Überlebt hat er nur, weil Grassler ihn sofort in die Uni-Tierklinik nach München gebracht hat. »Er ist wieder fit, man merkt ihm nichts mehr an.« Zum Glück. Denn gefährlicher als die Magen-Darm-Probleme hätten die Beeinträchtigungen des Zentralen Nervensystems werden können, nicht nur für die Steuerung der Bewegung. »Da hätte ein geistiger Schaden bleiben können«, so Grassler.

Filou hatte Glück. Und so, wie es bisher aussieht, ist auch seine Karriere als Rettungshund nicht zwangsläufig zu Ende. Welchen Schaden das für die Rettungshundestaffel bedeutet hätte, beginnt man zu ahnen, wenn man weiß, dass die Ausbildung eines Teams aus Hund und Hundeführer zwei bis drei Jahre dauert und dass es im Landkreis Traunstein derzeit nur neun ausgebildete Hunde gibt.

Bedauerlich findet Grassler vor allem, dass von öffentlicher Seite offenbar kein Interesse daran besteht, das Gift, mit dem Filou vergiftet werden sollte, genauer zu untersuchen. Chieminger Hundehalter hätten schon überlegt, die 300 bis 400 Euro gemeinsam aufzubringen. Einen Zusammenhang mit den in Fridolfing gefundenen Würstchen, die mit Rasierklingen bestückt waren, schließt Grassler aber ebenso aus wie die Polizei.

Nachdem bereits mehrfach Hundehalter in Fridolfing mit Rasierklingen präparierte Würstchen gefunden hatten – wie erst am Donnerstag letzter Woche an der Rupertistraße – meldete die Polizei gestern einen erneuten Fund in Fridolfing. Eine weitere Hundehalterin fand am Sonntag ein derart präpariertes Würstchen an der Krankenhausstraße offen auf dem Weg liegend, als sie mit ihrem Hund ihr Anwesen verlassen wollte. Sie konnte gerade noch verhindern, dass der Hund das Würstchen fressen konnte.

Unterdessen gab es Informationen des Traunsteiner Tagblatts zufolge auch vergiftete Köder in Traunstein an der Traun. Diese sind allerdings bisher nicht offiziell bestätigt. Tierärztin Dr. Brigitte Waldner, deren Praxis in unmittelbarer Nähe ist, sprach von »merkwürdigen Magen-Darm-Erkrankungen« bei Hunden, die sie behandelte. »Allerdings ist das schwer zu differenzieren, ob das wirklich Vergiftungserscheinungen waren oder ob die Hunde Schnee gefressen hatten.« Sie appelliert daher an alle Hundehalter, darauf zu achten, dass ihre Vierbeiner nichts vom Boden fressen können. »Lasst Eure Hunde auf keinen Fall unbeaufsichtigt frei laufen, egal wo.«

Nach Angaben der Polizei werden die Köder vermutlich nachts ausgelegt. Glücklicherweise seien in Fridolfing bis dato noch keine gravierenden Verletzungen entstanden. Hinweise nehmen die Polizei Traunstein, Telefon 0861/9873-205 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen. Für Hinweise, die zur Ergreifung des oder der Täter führen, wurden von privater Seite bereits 1000 Euro Belohnung ausgesetzt. coho

Quelle: Traunsteiner Tagblatt

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