Lokalnachrichten

Auf der Suche nach heißem Wasser

Kirchanschöring. Ob in Dorfen, Moosham oder Mayerhofen: Erdgas hat man bislang nicht gefunden. Nun aber will man noch tiefer bohren, in der Hoffnung auf heißes Wasser. Die Stadt Laufen und die Gemeinde Kirchanschöring möchten in Sachen Geothermie an einem Strang ziehen, und haben sich mit der Salzburg AG und den Münchner Stadtwerken starke Partner ins Boot geholt. Am 30. Juni veranstalten die beiden Kommunen um 19 Uhr eine öffentliche Stadt- beziehungsweise Gemeinderatssitzung in der Laufener Salzachhalle. Das Ziel: Ein Grundsatzbeschluss, um das Projekt in geplanter Weise weiterzuverfolgen.

Das anvisierte Gebiet nennt sich tatsächlich »Claim« Rupertiwinkel. Wie im Wilden Westen aber soll es nicht zugehen. Im Gegenteil. »Alle Beteiligten streben eine partnerschaftliche Zusammenarbeit an«, betont Laufens Bürgermeister Hans Feil gegenüber der Heimatzeitung. Irgendwo auf den Gemeindegebieten von Laufen und Kirchanschöring soll in naher Zukunft gebohrt werden, wohl 5000 Meter tief. Bis dahin, wo man heißes Wasser vermutet.

Ist dieses Wasser heiß genug, ließe sich damit auch Strom produzieren. Daran wären die Stadtwerke München interessiert. Die Salzburg AG dagegen möchte den Großraum Salzburg mit Wärme versorgen und damit wieder ein Stück wegkommen von fossilen Energieträgern. »Das bedeutet jedoch nicht entweder, oder«, erklärt Feil, »beide Versorger sind Partner und eine doppelte Nutzung wird angestrebt.«

Kirchanschöring war schon mal einen Schritt weiter. Im Mai 2009 bereits hatte sich die Geoenergie Bayern das Aufsuchungsrecht gesichert, erfahren hat das die Gemeinde jedoch erst im Sommer 2011. »Üblicherweise werden Gemeinden bei solchen Sachen angehört«, erinnert sich Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner.

Nachdem die Gemeindevertreter die Bohrung bei Kirchweihdach in Augenschein genommen hatten, informierte man bei einer Versammlung im Januar 2012 an die 250 Bürger. Im März darauf erfolgte bereits der Antrag auf Grunderwerb. Passiert ist hernach nichts mehr. »Die jetzigen Partner werden das neu bewerten«, sagt Birner. Anders als damals, als die Geoenergie Bayern Beteiligte aus Großbritannien und Australien an Bord hatte, sind jetzt zwei kommunale Versorger die Partner.

»Mitte 2013 haben wir erfahren, dass die Geoenergie das Feld, den Claim, zurückgegeben hat«, sagt Feil. Ein möglicher Grund: Die Wassertemperaturen bei einer Bohrung nahe Traunreut waren nicht so hoch wie erhofft. Im Sommer vergangenen Jahres waren dann die Stadtwerke München auf die Bürgermeister zugekommen, im Spätherbst schließlich die Salzburg AG.

Mit rund eineinhalb Stunden rechnet Geschäftsleiter Christian Reiter für die Vorstellung des Projektes in der Salzachhalle; zunächst durch die beiden Bürgermeister, dann durch die Projektpartner. Anschließend werden »primär« Stadt- und Gemeinderäte darüber diskutieren. Anders als in Sitzungen üblich, sollen diesmal auch die Bürger zu Wort kommen. Was Reiter eine gewisse Form der Bürgerbeteiligung nennt, geht anderen nicht weit genug, denn was die beiden kommunalen Gremien bereits in einer gemeinsamen Sitzung am 4. Juni in Kirchanschöring nichtöffentlich diskutiert hatten, soll schon am Ende dieser Sitzung in der Salzachhalle beschlossen werden.

»Es ist nur ein Grundsatzbeschluss, die Sache weiterzuverfolgen«, beruhigt Geschäftsleiter Reiter, »wir sind in einem ganz frühen Stadium.«

Die Zusammenarbeit beider Kommunen bedeute nicht, dass die Bohrungen nahe der Gemeindegrenze erfolgen werden, verdeutlicht Hans-Jörg Birner, die könnten auch ganz woanders liegen. »Es geht hier nicht nur ums Finanzielle«, fügt Birner hinzu. Kirchanschörings Bürgermeister kann sich »mit viel Phantasie« noch ganz andere Möglichkeiten vorstellen. Um was er dabei denkt, will er noch nicht verraten. höf

Quelle: Traunsteiner Tagblatt

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